Südengland

2. - 9. Mai 2014

Nach Istanbul in 2013 stand nun Südengland auf dem Programm der Kunden- und Mitgliederreise der VR-Bank Landau.

 

Die Reisegruppe startete gemeinsam von Landau über München nach London. Nach der relativ kurzen Anreise zum drittgrößten Flughafen der Welt "Heathrow", wurde die Reisegemeinschaft von Reiseleiterin Liz Cooper empfangen und nach kurzer Begrüßung startete man sofort nach Windsor. Bereits die ersten Kilometer waren für viele in der Gruppe ungewöhnlich, da man erst das Linksfahren „geistig“ zulassen musste. Für kluge Geister ist auch das weltberühmte Eton-College in der Nähe von Windsor. Schulgebühren von mindestens 32.000 engl. Pfund pro Schuljahr sind fällig. Beliebt ist dieses College bei der königlichen Familie ebenso wie bei gutsituierten Eltern. Dafür ist man hinterher auch in exklusiven Kreisen, bereits über 20 britische Premierminister sind unter anderen daraus hervorgegangen.

 

Dann war der erste Höhepunkt erreicht, Windsor Castle. Seit über 900 Jahren eine der Hauptresidenzen der königlichen Familie, das beeindruckend gut gepflegt ist. Leider war die Queen mit ihrer Familie während unserer Anwesenheit nicht in ihren Gemächern, sonst hätten wir natürlich um eine Audienz gebeten. Es wurden die prunkvollen Staatsräume besichtigt, in denen in vielen Jahrhunderten bereits viele Adelige und Staatsoberhäupter empfangen wurden. Auch sehr beeindruckend die St.Georges Kapelle, in der Gottesdienste, aber auch Konzerte und festliche Anlässe gefeiert werden.

 

Abends wurden dann die ersten „Essversuche“ unternommen und da im Vorfeld einige heimische Stimmen sich sehr negativ darüber ausließen, waren alle gespannt darauf. Aber diese Meinungen wurden einhellig von der Gruppe - auch während der ganzen Woche - vom Tisch gewischt. Das Frühstück ist in England etwas monotoner, die Mittag- und Abendmenüs waren ansprechend und wählbar abwechslungsreich.

 

Früh am nächsten Morgen wurden wir in das Zentrum der Weltmetropole und Hauptstadt des Britischen Empire „London“ gefahren. Big Ben, Westminster Abbey, Buckingham-Palast mit Wachablösung, Trafalgar Square und und und... dazu ein längerer Fußmarsch entlang der Themse mit immer wechselnden Einblicken in das tägliche Multikulti-Leben dieser pulsierenden Stadt. Über 8 Mio. Einwohner leben in „Groß-London“ und sehr viele davon sind Ausländer oder mit Migrationshintergrund. Unsere Reiseleiterin erzählte uns, dass sie zu den ca. 20 % „einheimischen Londonern“ zählt und gehört deshalb auch zu einer „Minderheitengruppe“. Nach letztem Blick auf die Tower-Bridge ging es mit der Metro zum derzeit populärstem Wahrzeichen, dem „London-Eye“. Hier darf man Schlange stehen, um dann in einer halbstündigen, einfachen Rundfahrt aus den Glasgondeln einmalige Blicke in alle Himmelsrichtungen zu bekommen. Der Wettergott meinte es auch sehr gut. Keine Wolke und auch kein Smog trübte die Sicht.

 

Nach einer weiteren Nacht im selben Hotel begab sich die Gruppe Richtung Cornwall. Erster Zwischenhalt war in Bath, Weltkulturerbe und berühmter Kurort. Die einzige warme Quelle in England nutzten bereits die Römer und erbauten die ersten Badehäuser. Bei einem Bummel durch die Stadt wurden die weitläufigen Parkanlagen, mit der typischen englischen Art - frei für alle und alles - besichtigt. „The Circus“, eine architektonische Sehenswürdigkeit in Form eines Rondells oder „Royal Crescent“, eine imposante „Reihenhaussiedlung“ in Halbmondform, erbaut 1767. Auch die Pulteney Bridge mit kleinen Geschäften bebaut, führt über den Fluss Avon ist eine Besichtung wert. Es war eine sehr angenehme, grüne Stadt mit Flair, für die man sich noch gerne mehr Zeit genommen hätte.

 

Aber es winkten ja noch viele weitere Sehenswürdigkeiten und so machten wir uns auf den Weg Richtung Exeter. Bei der Fahrt dorthin verließ unser hervorragender Busfahrer „Skippy", der aus Australien stammt und schon viele Jahre in Wales wohnt, die Schnellstraße und wir bekamen tolle Einblicke bei engen, manchmal sehr engen Straßen auf Land und Leute. Wir durchquerten teilweise den Exmoor Nationalpark, ein Hochmoor von beeindruckender Weite und Kargheit. Diese Gegend blüht erst mit dem Heidekraut im August auf. Exeter war unser nächstes Ziel. Die hervorstechende, gotische Kathedrale, erbaut ab dem Jahre 1112 wurde ebenso besucht, wie das Lieblingspub „The Ship Inn in der Martins Lane“ von Weltumsegler, Sir Francis Drake, der bereits vor ca. 430 Jahren dort verkehrte. Ein englisches Bier, Ale, wurde dort von den meisten getrunken und wie so viele Pubs, hatte auch dieses seinen eigenen, tollen Charme einer Bierkneipe. Abends wurden die sehr englischen Zimmer im „New Continental“ in Plymouth bezogen. Altehrwürdig, plüschig, aber schön. Abends wurden gleich die Küstenzone der Heybrook Bay besichtigt und die Hafenlokale eingenommen. Intensive Gelage zur Begrüßung des Frühjahrs werden alle erste Maiwochenenden durch die Jugendlichen der Stadt abgehalten - diese Engländer können feiern- und wir fast mittendrin.

 

Die nächsten zwei Tage wurden viele hervorragenden Ecken von Cornwall besucht, die auch Teile von den deutschen Fernsehzuschauer als „Pilcherland“ kennen. Viele Drehorten bekamen wir unweigerlich zu Gesicht. Zuerst konnten wir St. Michael's Mount bestaunen, ein kleines Abbild vom französischen Mont St. Michel. Bei Ebbe kann man trockenen Fußes über einen Steg die Insel erreichen, bei Flut nur schwimmend oder mit dem Boot. Anschließend gab es einen „cream tea“. Das Gebäck ist sehr gut, auch die Marmelade dazu. Die fast buttrige Sahne ist nicht jedermanns Geschmack, mit dazu Tee oder Kaffee.

Nach einer wunderschönen Landschaftsreise entlang der Küste machte die Reisegruppe eine Klippenwanderung bis nach Land's End, dem westlichsten Punkt von England. Passend zu dieser rauhen Landschaft gab es ordentlichen Westwind, der auch eine Kappe eines Reiseteilnehmers mit sich nahm. St. Yves war der letzte Höhepunkt an diesem Tag. Ein Städtchen, das sich geduckt an die Küste schmiegt, hervorragende Kunstgalerien hat und auch tolle Strände für Badende, Wellenreiter und Kitesurfer.

 

Die Straße am nächsten Tag, die uns in die Fischerdörfchen Looe und Polperro brachte, war mehr als eng. Da das größere Fahrzeug aber stets Vorfahrt hat, mussten sich viele Kleinere in schmale Heckenausbuchtungen schmiegen. Tolle Blicke aus der Fahrgasthöhe im Bus auf die viel zergliederte Landschaft, gesäumt mit Steinmauern und Hecken und besiedelt mit Rindern, Schafen und Pferden. Looe ist der etwas größere Fischerhafen, Polperro kann nur zu Fuß besichtigt werden. Der alte Schmugglerort hat einen kleinen idyllischen Hafen, der sicher manche Geschichte aus der harten Vorzeit erzählen könnte.

Nachmittags besichtigte die Landauer Gruppe das wunderschöne Lanhydrock House eines der stattlichsten Landhäuser Cornwalls. 42 Räume, die zum damaligen Zeitpunkt mit den modernsten technischen Möglichkeiten ausgestattet wurden. Heute ist dieses Haus im Besitz einer Stiftung und kann durch Einsatz vieler Ehrenamtlicher für die Öffentlichkeit freigegeben werden. Traumhaft auch die Vor- und engeren Gärten rund um das Haus. Rhododendren aller Art, Farben und Größen zeigten ihre Blütenpracht, dazu Azaleen und viele andere Blumen und Bäume.

 

Tag 6 begann mit einer Fahrt durch den Dartmoor Nationalpark. Eine mystische Landschaft, äußerst dünn besiedelt. Schafe und Pferde scheinen herrenlos in den endlosen Hügeln, werden laut Auskunft der Reiseleiterin aber einmal im Jahr wieder richtig zugeteilt. Auch hier ist die Hauptpflanze das Heidekraut und ein Besuch im Spätsommer mit ausgedehnten Wanderungen wäre erstrebenswert.

Stourhead, einer der berühmtesten englischen Landschaftsgärten aus dem 18. Jahr- hundert ist bis heute fast unverändert erhalten. Bereits im Jahr 1448 wurde der Grundstein mit einem Landhaus und Park als Grundlage geschaffen, bevor ein reicher Bankier, Henry Hoare, das Anwesen gekauft und 1721 eine Villa nach venezianischem Vorbild erbauen ließ. Im Laufe der Jahrzehnte wurde aus den Bauten und Pflanzen eine Idylle ersten Ranges. 1946 wurde das gesamte Anwesen an die National Trust übergeben, nachdem der Sohn der letzten Besitzerfamilie im ersten Weltkrieg gefallen war.

Zum Abschluss des Tages stand noch das spektakulärste Monument vorgeschichtlicher Baukunst, Stonehenge, auf dem Programm. Ein Steinmonument, dass immer noch viele Rätsel aufgibt. Mindestens 5000 Jahre soll die Anlage sein. Schade, dass eine vielbefahrene Straße ziemlich nahe vorbeiführt und dadurch manches Denken und Entspannen stört. Ein neu erbautes, modernes Besucherzentrum, natürlich mit großem KrimsKrams-Shop, den man durchlaufen muss, informiert über Funde und die Entwicklung der historischen Anlage. In der Hafenstadt Bournemouth haben wir dann abends ein weiteres „englisches“ Hotel bezogen.

 

Die Stadt Winchester stand am vorletzten Tag zur Besichtigung an. Einst unter König Alfred dem Großen die Hauptstadt von England. Einer der wichtigsten Anlaufpunkte ist die riesige Kathedrale, die ca. 930 Jahre alt ist und romanisch gebaut wurde. Sichtbar noch in den Seitenschiffen, das Hauptschiff -ca. 168 m lang- wurde gotisch umgewandelt. Ein weiterer Besuchspunkt war der „Round Table“, der angeblich der runde Tisch von König Artus legendärer Tafelrunde war. Der Hafen- und Marine- stützpunkt Portsmouth war der letzte Punkt an diesem Tag. „Mary Rose“, Stapellauf 1511, gesunken 1545, gehoben 1982 und nun museal verpackt wird das Schiff mit modernster Technik restauriert. Es lässt viele Einblicke in die Beschaffenheit, Zusammensetzung, Ausstattung und Aufgaben der Besatzung zu. Noch weitere historische Schiffe waren zu besichtigen.

Abends wurden noch in geselliger Runde in der Hotelbar Rückblick gehalten. Mit den sehr guten Betreuern, Liz Cooper und Skippy, wurden noch Geschichten getauscht und ihnen für die tolle Woche gedankt.

 

Am Abreisetag mischten sich Abschiedstrauer und Freude auf die Heimat. Es war, einhellige Meinung der sehr netten, disziplinierten Reisegemeinschaft, eine tolle Woche mit vielen Erkenntnissen über das Land England. Es gibt noch vieles zu entdecken und England bzw. Großbritannien sind noch viele Reisen wert.

Aber bevor man den Flughafen ansteuerte, verkehrsmäßig gut in der Zeit war, verließen wir wieder die Schnellstraße und machten noch einen Abstecher in Richtung Windsor. Das „Queensland“, große Besitztümer der königlichen Familie, teils Eigenbesitz, teils als „Verwaltungsland“ auf Grund der königlichen Aufgabe wurde noch durchfahren. Auch am Bioverkaufsladen der Queen mit Produkten aus der königlichen Landwirtschaft kamen wir vorbei. Die berühmte Rennbahn „Ascot“ war eine der letzten Eindrücke bevor der Flughafen angesteuert wurde. Der Rückflug nach „Old Germany“ war schnell vorbei und die Rückfahrt nach Landau ging zügig. Otto Rader als Reisebegleiter der VR-Bank Landau bedankte sich bei allen Teilnehmern und hoffte, dass die Reise das ergab, was die Beschreibung versprochen hatte.