Namibia

04. - 16. November 2016

Wussten Sie, dass auf die Einwohnerzahl bezogen, die meisten Verkehrstoten der Welt in Namibia ihr Leben lassen müssen? Bei einer Landfläche, die zweimal größer als unsere Bundesrepublik ist und „nur“ ca. 2,2 Mio. Einwohner hat, ist dies zuerst verwunderlich. Ursache ist unter anderem der sehr hohe Anteil von unbefestigten Straßen: ca. 80 % von ca. 45.000 Straßenkilometern. Es wird relativ schnell gefahren, um die Erschütterungen der sogenannten „Wellblechpisten“ möglichst gering zu halten, und sollte es doch mal ein paar Tropfen regnen so wird es schmierig und dazu unfallträchtig.

Aber grundsätzlich standen andere Reiseerlebnisse auf dem Plan der Bankgruppenreise der VR-Bank Landau eG. Eine Rundfahrt mit ca. 3400 km, um die unterschiedlichen Landstriche wie Sandwüste, Steinwüste, Küstenregion, Savanne und Etoscha-Salzpfanne kennen zu lernen. Los ging es nach der Landung mit einer Stadtrundfahrt durch die Hauptstadt Windhoek. 350.000 Einwohner sollen es sein, durch ständigen Zuzug von schwarzen Namibiern - oft ungemeldet - nicht leicht feststellbar. Viele Teile der Stadt sind modern gestaltet, auch viele Kolonialbauten aus deutscher Kaiserzeit, u.a. Tintenpalast und Bahnhof, sind noch zu sehen, sowie auffallend die vielen Hütten der schwarzen Bevölkerung am Rande der Stadt.

Es ging noch ein paar Kilometer auf Teer Richtung Süden zum Namib-Naukluft-Park, bevor die Rumpelpiste begann. Die älteste Wüste der Welt faszinierte mit Farbspielen und lies die Sandberge unterschiedlich getönt erscheinen. Sossusvlei, eine riesige Lehmpfanne, die Wasser – wenn überhaupt – nur in der Regenzeit sieht, ist umgeben von den berühmten Sterndünen, die eine Höhe bis zu 300 m erreichen. „Big Mama“ wurde von Teilen der Reisegruppe bestiegen und tolle Fotos von dort oben geschossen. Auch der Sternenhimmel war viele Blicke wert, denn abgeschirmt von den sonst gewohnten Kunstlichteinwirkungen gibt es hier fast vollständige natürliche Dunkelheit.

Solitaire, eine Kleinstsiedlung an dem bedeutendsten Kreuzungspunkt im Wüstennationalpark, gegründet 1849, ist wichtiger Rastplatz, Tankstelle sowie Shop und hat eine sehr gute Bäckerei mit einem der besten Apfelkuchen Namibias.

Weiter über verschiedene Pässe ging die Rumpelfahrt durch den Namib-Naukluft-Park, der der größte Wildpark Afrikas und der viertgrößte der Welt ist. Trostlose, trockene, unendliche Landschaft, in der man ab und an einige Tiergruppen ziehen sieht. Dann Erdverwerfungen, Mondlandschaften und stetig verändernde Gesteinsformationen.

Die Tour näherte sich der Küstenstadt Swakopmund, einst deutsche Kolonialstadt. Europäischer Hauch umgibt uns bei vielen Bauten zahlreicher Jugendstilhäuser u.a. das Kaiserliche Bezirksgericht oder das Woermann-Haus. Kaffee und Kuchen im „Cafe Anton“, Übernachtung im Hansa-Hotel. Deutsch ist als Sprache und bei Textbeiträgen in vielen Geschäften und Lokalen noch allgegenwärtig. Ein paar freie Stunden ermöglichten den Gruppenmitgliedern Swakopmund auf eigene Faust zu erkunden.

Der bedeutendste Seehafen von Namibia befindet sich in Walvis Bay. Eine Bootsfahrt im benachbarten Natur- und Sporthafen führte an ca. 70.000 Robben vorbei, Pelikane flogen bettelnd an Bord und viele andere Seevögel begleiteten unseren Weg. Vorbei an künstlichen Austernbänken, von denen Frischfleisch kredenzt wurde, ging es noch in die raue See außerhalb des Hafens. Am Strand war das Wetter diesig und kühl, 500 Meter ins Inland und es herrschten wieder 35 Grad.

Der nächste Tag führte über Hentiesbay, einer kleinen Küstenstadt am Südatlantik. Ein Kuriosum am Strand: Ein Golfplatz, der überwiegend aus Sand bestand, da nur Abschlag und Fahnenposition sich auf Gras befanden. Ein weiterer Stopp an der folgenden Skelettküste. Die unberechenbaren Strömungen haben auch das vor uns liegende ca. 100 m langes Schiff stranden und zerbrechen lassen. Eine Unzahl Kormorane haben es übernommen und daraus eine Nistkolonie gemacht.

Weltkulturerbestatus hat in Namibia bisher nur ein Naturdenkmal erhalten. Die Felszeichnungen von Twyfelfontein. Über 2000 Abbildungen von jagdbaren Tieren, Wasserstellen, menschlichen und tierischen Fußabdrücken auf verschiedenen Felsblöcken und einem Alter von mehreren tausend Jahren.

Ein weiterer Höhepunkt waren dann die versteinerten Bäume. 20 - 30 m lange „Steinstämme“ mit sichtbaren Astlöchern und klar erkennbaren Jahresringen und einem Alter von 240 - 300 Mio. Jahren. Sie werden nun nach und nach durch Erderosion freigelegt und Mitglieder des Damara-Stammes führen durch das Gelände und begeistern mit ihrer Klicklautsprache.

Die nächsten zwei Tage waren nun ganz der Tierwelt in der Etosha-Pfanne, übersetzt „Großer weißer Ort des trockenen Wassers“, gewidmet. Und alles trifft zu: Die Pfanne ist 129 km lang und 72 km breit, weiß - da Salz - und trocken die überwiegende Zeit des Jahres. 114 Säugetier- und 340 Vogelarten sind vertreten und eine Menge davon wurden von der Gruppe beobachtet. Vor allem an den vielen Wasserstellen ergaben sich ergreifende und erhabene Bilder, wenn 10, 20 Elefanten herantrotten, alle anderen Tiere wegtreten, um dem mächtigsten Landtier den Vortritt zu lassen. Dann die Giraffen, Kudus, Oryxantilopen, Nashörner, Zebras und und und.

Die letzten zwei Tage wurden in einer tollen Lodge verbracht. Was aber nicht heißen soll, dass die anderen Unterkünfte nicht ebenso sehr gut waren. Nein, alle Hotels und Lodges sind empfehlenswert, Betreuung und Essen waren hervorragend. Und wenn Giraffe oder Impala an der Terrasse vorbeiziehen, dann ist dies tolle afrikanische Realität. Eine Pirschfahrt, wieder mit vielen Tierbeobachtungen und einem tollen Sonnenuntergang, war ein weiterer Höhepunkt der Reise.

Beim Transfer zum Flughafen wurde noch ein Stopp an einer Lodge mit Wildbestand eingelegt. Dort gab es noch eine sehr negative Nachricht. Einen Tag vorher wurden vier Nashörner von Wilderern erschossen und um ihre Hörner beraubt. Der Irrglaube der Potenzsteigerung, vor allem im asiatischen Raum, ist leider nicht weg zu bringen.

Insgesamt eine Reise mit vielfältigen Erlebnissen. Informationen über die einst einzige deutsche Kolonie, aktuellen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen, sehr unterschiedlichen geologischen Formationen, das Zusammenleben der Schwarzen und Weißen, all dies versuchte uns unser hervorragender Tour-Guide, Jürgen Schatz, zu erläutern.