Montenegro

16. - 23. Mai 2015

Reisebericht

Im Mai 2015 begab sich unsere Reisegruppe, bestehend aus VR-Bank-Kunden und Freunden, nach Montenegro. Eine Besichtigungsreise in ein Land, das mit besonders intensiver Natur gesegnet ist. Natur mit sehr vielen Bergen, darum auch der Name „Monte Negro“, also „Schwarze Berge“. Aber auch 300 km Küstenlinie mit tollen Stränden und Buchten kann Montenegro sein Eigen nennen. Das Land liegt im Anschluss an Kroatien und ist mit seiner Größe von 13.800 qkm etwas größer als Niederbayern, hat aber mit ca. 625.000 Einwohnern nur etwas mehr als die Hälfte an Bürgern unseres Regierungsbezirkes.

Die Anreise erfolgte per Flug nach Dubrovnik. Reiseleiter Mucki erwartete uns bereits und begleitete die Reisegruppe mit dem Bus ins Hotel nach Budva, einer der wichtigsten Touristenzentren in Montenegro. Erste tolle Eindrücke wurden wahrgenommen, als einer der landschaftlichen Höhepunkte, die Boka Kotorska mit einer Fähre überquert wurde. Es handelt sich hier um den „südlichsten Fjord“ Europas, die Bucht von Kotor. Cirka 28 Kilometer dringt hier das Meer in das Inland, aufgeteilt in vier Becken und ist im Schutz der UNESCO als Weltkulturerbe.

Der zweite Reisetag begann mit der Fahrt durch die Berge, aber dies ist nötig bei allen Reisen in Montenegro ins Inland, nach Cetinje. Über 450 Jahre war die kleine Stadt Hauptstadt des Landes und einige Jahre sogar Königssitz in der kurzen Periode des einstigen Königreichs. Leider ist viel Glanz der damaligen Zeit verloren gegangen und die Stadtbewohner leben haupsächlich von Tourismuseinnahmen. Viele Bewohner wandern in die aktuelle Haupstadt Podgorica oder an die Küste ab, wo Arbeitsplätze locken. Bei der Rückfahrt ging der Weg über ein Hochtal, wo sehr guter Schinken und Käse hergestellt werden und den zu probieren ein Muss war. Weiter ging es auf einer Serpentinenstraße bergab, bei der ein ausgezeichneter Busfahrer wie „Bucki“ unbedingt notwendig war. Es sind halt nicht immer Leitplanken oder andere Absicherungen vorhanden, aber wer braucht das schon, wenn der Fahrer erstklassig ist. Ein Besuch der Altstadt von Kotor, einem Kleinod an der Adria, rundete den Tag ab. Bereits im 3. Jahrhundert v. Chr. wurde hier gesiedelt. 1979, bei dem letzten großen Erdbeben, wurde leider einiges zerstört, aber durch Spenden aus der ganzen Welt alles wieder restauriert bzw. ergänzt. Aber wie schon geschrieben, es ist ein Kleinod und gemeinsam mit der Altstadt von Budva sind dies die zwei Perlen an historischen Altstädten in Montenegro, die man besichtigen muss.

Der dritte Morgen begann mit einer Busfahrt entlang der Küste bis in die Stadt Bar. Dort bestieg die Gruppe einen Zug und die abenteuerliche Fahrt Richtung der Stadt Kolasin begann. Der stetige Anstieg führte über Brücken, durch Tunnels und grandiose Aussichten in die Berge und die darunter liegenden Schluchten ließen die Mitfahrer mal links, mal rechts im Abteil wandern, um ja die besten Aussichten zu erhaschen. Dann ging es wieder mit dem Bus weiter zum Nationalpark „Biogradska Gora“.  Ein Rundgang am See „Biogradsko Jezero“ mit einem wunderschönen Urwald aus Laubbäumen, in dem bis zu 500 Jahre alte Buchen stehen. Auch hier ist der sogenannte Indian-Summer erlebbar, wenn im Herbst die Laubbäume alle Farben annehmen. Am See konnte die Gruppe neben seltenen Pflanzen auch Ringelnattern und eine seltene Äskulapnatter sehen. Wie schon gewohnt wurde bergig und kurvig die Rückfahrt angetreten. In der Moraca-Schlucht wurde noch das gleichnamige Kloster besucht, mit Gründungsdatum 1252. Serbisch-Orthodox sind hier die meisten Gläubigen und in diesem Kloster üben die Pater noch die hohe Kunst des Freskenmalerei aus.
Am Dienstag begann die Fahrt mit einer Sicht auf eine kleine Insel „Sveti Stefan“. Hier zählt nur Geld und somit ist die Insel für „Normalsterbliche“ gesperrt. Für dreißig Jahre hat eine Gesellschaft aus Singapur die Insel für „Reiche und Schöne“ gepachtet. Weiter ging es nach „Stari Bar“, der Altstadt von Bar. Historische Ansichten und dazwischen natürlich auch immer eine kleine Pause mit Getränken und manchmal landestypische kleine Mahlzeiten machten die Tage angenehm. Ulcinj, die südlichste Stadt Montenegros, war unsere nächste Anlaufstation. Reiseleiter „Macki“ zeigte uns „seine“ Stadt, die auch großteils vom Tourismus lebt. Eine Salzgewinnungsanlage ist ein weiterer Erwerbszweig, zumal dort mit deutscher Hilfe auch ein Flamingo-Ansiedlungsprojekt gestartet wurde. Berühmt-berüchtigt war diese Stadt auch als Seeräuberfestung. Hier wurde reger Sklavenhandel betrieben. Ein Betroffener war auch Miguel de Cervantes, der Verfasser von „Don Quichotte“. Letzter Punkt an diesem Tag war ein Spaziergang in dem tollen Städtchen „Petrovac“.  Eine malerische Bucht, schöner Strand und Uferpromenade, aber leider wird dieses Bild durch einen hässlichen Hotelneugroßbau arg gestört.
Am nächsten Tag ging es, wohin auch sonst, in die Berge. In der Nähe der Hauptstadt Podgorica wurde über das Gelände des Flughafens gefahren. Es erwartete uns „Sipcanik“: Ein nicht mehr benötigter Flugzeughangar wurde sinnvoll umgestaltet in einen schönen, riesigen Weinkeller.
Über 13 Mio. Weinreben stehen dort und bedeuten laut Reiseleiter einen der größten zusammenhängenden Weingarten Europas. Kleine Kostproben aus dem Bestand durften natürlich nicht fehlen und nach erklärenden Worten einer Mitarbeiterin probierte man einheimischen Weiß- und Rotwein, hier auch „Schwarzwein“ genannt. Als nächstes gab es Urtümliches und Bäuerliches aus Haus und Hof. Die Fahrt und der anschließende Fußweg zu einem einfachen Bauernhaus dauerte vom Weingut weg ca. ½ Stunde. Schinken in verschiedenen Formen und Reifungen, Käse, Kajmak (abgeschöpfter Rahm), Brot, Gemüse und Selbstgebackenes gab es zuhauf und bei Säften und Wein war es eine angenehme Stimmung im Garten. Die Bauerneheleute gaben sich sehr offenherzig und freundlich. Hier wurde aber auch die Einfachheit der Landbevölkerung gesehen und wie hart manches erarbeitet werden muss. Kleinst- und Kleinfelder, meist steinig, erlauben etwas Anbau von Feldfrüchten, der Überhang wird dann auf Märkten verkauft. Viehzucht ist auch überwiegend nur in Klein- und Gemischtmengen (Hühner, Schafe, Ziegen, Kühe) möglich. Gepflügt wird stellenweise noch mit Pferden.
Vieles ist noch einfach und „kleinbäuerlich“, aber auch mit einer stark ausgeprägten  Herzlichkeit und Offenheit der Bewohner. Zum Abschluss des Tages wurde noch die historische Altstadt von Budva besucht. Mit über 2500 Jahren ist diese Ansiedlung eine der ältesten auf dem Balkan.

Der Donnerstag stand den Reiseteilnehmern zur freien Verfügung. Einige schlenderten in die Altstadt nach Budva und andere nutzten die Bademöglichkeiten im Pool oder am Adriastrand. Abends besuchten auch einige Mitreisenden nochmals zu Fuß die Altstadt. Der Tag war der Nationalfeiertag von Montenegro und somit galt es, an diesem und weiteren drei Tagen, zu feiern. Dort und natürlich auch an vielen anderen Orten wurden Theater, Kinderspiele, Musikveranstaltungen und vieles mehr durchgeführt.
Ein russisches Ensemble begeisterte mit Pantomime und Geräuschemacher und ein langer Abend unter freiem Himmel mit toller Musik an der alten Stadtmauer schloss sich an.

Am Tag vor der Abreise ging es nochmal ins Inland. Zum Skutarisee, einem Fisch- und Vogelparadies. Seine Biodiversität ist enorm, ca. 264 Vogelarten wurden hier gezählt und Ornithologen aus ganz Europa bewegen sich am See. Eine Bootsfahrt mit Blicken auf Kormorane, Haubentaucher und andere Vögel wurden durch Selbstgebackenes des Bootsführers versüßt. Nach einer kurzen Rundfahrt in der Hauptstadt Podgorica, ca. 150.000 Einwohner, ging es zu der Wallfahrtskirche des serbisch-orthodoxen Glaubens: das Kloster Ostrog. Mitte des 17. Jahrhunderts gründete der Hl. Vasilije (Basilius) das Kloster, in dem auch seine Gebeine verwahrt werden. Die Kirche ist wie ein Adlernest an und in den Berg gebaut und man kann nur mit Pkw, Kleinbus und natürlich zu Fuß hinkommen. Es ist sehr andächtig, aber leider verspürt man auch den starken Hauch der Vermarktung.

Am Abreisetag ging es vorbei an der Bucht von Kotor, auch am Flughafen zur Besichtigung der Adriaperle „Dubrovnik“. Drei Millionen Besucher durchströmen die kleine Altstadt und man kann nur hoffen, dass keine Kreuzfahrschiffe ankern und tausende Passagiere einströmen, wenn man selber vor Ort ist. Aber leider war auch an diesem Tag viel Besuch und so wurde die Besichtigung etwas getrübt. Aber natürlich strömt die Stadt ihren Charme aus. Man muss sich in Gedanken Jahrhunderte zurück versetzen, um sich den bereits damals vorhandenen Reichtum vorstellen zu können, aber sicher auch die Armut in den Seitengassen und vor der riesigen Stadtmauer. Im Laufe des Nachmittags hieß es Abschied nehmen von der sonnigen Adriaküste und der Flug ging heimwärts Richtung München.

Das Resümee aller Reisesteilnehmer war einhellig:  Das Programm der VR-Bankgruppenreise war großartig ausgearbeitet, die Unterkunft war sehr gut und bei tollem Wetter haben alle ein wunderbares Land kennengelernt, das aber noch viel Hilfe in der wirtschaftlichen Entwicklung braucht. Entwicklung aber nicht in Form von Massentourismus und Verbauung der Strände, sondern in Form von  Individualtourismus, vor allem unter Einbeziehung der großartigen Landschaft.